8. Europäischer Gesangswettbewerb DEBUT 2016:

26.09.2016 09:42

Eine exzellente Operngala dank wunderbarer Stimmen mit technisch herausragendem Können

Sie überzeugte Jury und Publikum: Die südkoreanische Sopranistin Jihyun Lee gewinnt nach dem Liedpreis auch die Goldene Viktoria

Es war ein wunderbar bewegender, mitreißender Abend, die Gala am 24. September 2016 zum Abschluss des 8. Europäischen Gesangswettbewerbs DEBUT 2016 in der festlich illuminierten Wandelhalle von Bad Mergentheim. 

231 junge Opernsängerinnen und -sänger hatten sich dafür beworben, alle aus europäischen Ländern oder zumindest seit zwei Jahren in Europa ansässig. 47 Anwärter auf die begehrten Preise reisten schließlich zu den Vorrunden an, die öffentlich in Weikersheim stattfanden. Aus diesen Ausscheidungen gingen sechs Finalisten hervor. Sie begeisterten bei der Gala das Publikum restlos in beliebten Opernarien und stellten sich dabei dem Urteil der achtköpfigen Jury unter dem Vorsitz von Prof. KS Harald Stamm, die drei Sieger auswählen musste. 

Durch das Programm führte bestens gelaunt Tagesschau-Sprecher Jan Hofer und stimmte so kundig und charmant auf die Interpreten und die dargebotenen Klassiker der Opernliteratur ein. 

Es traf hier in vollem Umfang zu, was der Initiator von DEBUT, Dr. Manfred Wittenstein, Aufsichtsratvorsitzender der WITTENSTEIN AG, dem Hauptsponsor, zu seiner Motivation, den Wettbewerb so großzügig zu unterstützen, in seinem Grußwort im Programmheft anmerkte: „Opernarien entführen uns, die Zuhörer in eine andere Welt: Der Klang des Orchesters in vollendeter Verschmelzung mit magischen Stimmen verzaubert uns, Länder- und Sprachbarrieren fallen weg. Gerade unsere Zeit braucht die Konstanten Humanität und Toleranz.“ 

Leider war der vorgesehene Schirmherr, KS Prof. Peter Schreier, krankheitshalber am Kommen verhindert. Schade. Denn das Publikum erlebte dank der hervorragenden Finalisten einen grandiosen Abend, und Zuhörer aus der ganzen Welt konnten dank der Direktübertragung von SWR2 diese exzellente Operngala live verfolgen. 

Nur die Jury war zu bedauern, dass sie unter den sechs angetretenen Finalisten drei Sieger herausfiltern musste. Für das Publikum und die künstlerische Leiterin Clarry Bartha, selbst arrivierte Sängerin und als Festspielleiterin im Taubertal wirkend, stand als Fazit fest: „Für mich sind sie alle Gewinner! Ich hätte allen Preise gegeben!“  Die Entscheidung, wer wohl der oder die beste sei unter den vier Sängerinnen und Sängern, war in der Tat bei diesem hohen Niveau äußerst schwer zu treffen. Vieles hängt wohl auch vom persönlichen Geschmack ab. Dass sich aber gleich vier junge viel versprechende Talente aus Südkorea für das Finale der besten 6 qualifiziert hatten, hängt laut Moderator Jan Hofer auch damit zusammen, dass in Asien ‚unsere‘ klassische Musik wohl höher geschätzt wird als hierzulande; von dort kommen längst viele junge Sänger zur weiteren Ausbildung nach Europa.  Auf jeden Fall präsentierten sich beim DEBUT-Galakonzert wunderbare Stimmen in technisch herausragendem Können, unverbrauchter Frische und überzeugender Darstellungskunst.

Die Finalisten wurden diesmal durch das ausgezeichnete Philharmonische Orchester Würzburg unter seinem einfühlsam inspirierenden Chefdirigenten Enrico Calesso geradezu zu Spitzenleistungen emporgetragen. Das Publikum im vollen Saal wurde mit der vor guter Laune und romantischer Schwärmerei sprühenden Ouvertüre von Otto Nicolais Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ gleich auf das Kommende eingestimmt. Mit der temperamentvollen und zugleich verführerischen Ouvertüre zu Bizets beliebter Oper „Carmen“ aber begann die Rundfunkübertragung und damit der Einstieg in eine packende Operngala, bei der man oft vergaß, dass es hier auch um einen Wettbewerb ging.

Alle hochkarätig: Die Finalisten


Als erster präsentierte sich der 26jährige südkoreanische Tenor Seungju Bahg mit der vor verschmähter Liebe dahinschmelzenden Arie des Don Ottavio „Il mio tesoro“ aus Mozarts Oper "Don Giovannie", mit heller, sicherer, angenehmer Stimme; alles klang gleichmäßig, hätte aber durchaus noch etwas mehr Gefühl vertragen. Im zweiten Teil gefiel er in der glänzend wiedergegeben Arie des Faust aus Gounods gleichnamiger Oper mit guter Tiefe und großer Höhe. 

Ganz anders dagegen der 32jährige, jugendlich unbekümmert wirkende Countertenor Jungkwon Jang aus Südkorea; in Händels Arie des Rinaldo „Cara sposa“ aus dessen gleichnamiger Oper kam es auf den Ausdruck von tiefen Empfindungen an; er meisterte das mit großer, reich bemittelter Stimme ohne jegliche Härten, mit glänzenden Höhen, fein gestalteten langen Linien und locker dahinlaufenden schnellen Passagen. Auch die berühmte Arie des Prinzen Orlofsky aus der „Fledermaus“ von Johann Strauß „Ich lade gern mir Gäste ein“ gefiel durch ihren Schwung und ihren nuancierten Vortrag.

Eine Wucht war der dramatisch kraftvolle, runde, glänzende Sopran der 27jährigen Südkoreanerin Jihyun Lee, derzeit Studentin bei Prof. Rudolf Piernay in Mannheim. Ihre stets freie Stimme meisterte die schwierigen Register-Sprünge der Fiordiligi in Mozarts Arie „Come scoglio“ aus seiner Oper „Cosi fan tutte“ mühelos, brillierte in locker dahin laufenden Koloraturen und mit strahlenden Höhen; in der Arie der unglücklichen Micaela aus Bizets „Carmen“ prunkte sie zudem mit voluminöser Mitte und guter Tiefe, ausdrucksvoller Gestaltung und bester Artikulation.

Die schlanke 30-jährige Sopranistin Marie-Pierre Roy aus Frankreich glänzte mit ihren Stärken im lyrischen Fach, mit einer feinst angesetzten Kopfstimme und dem Ausdruck innigster Emotion in ihrer hellen, angenehm timbrierten Stimme; sie zeigte zuerst dies zuerst eindrucksvoll als fast mutlose Pamina in der Arie „Ach ich fühl’s“ aus Mozarts „Zauberflöte“ und dann in der tragischen Arie der Giulietta aus Bellinis „I Capuleti e i Montecchi“ in tief empfundenem Schmerz über die Aussichtslosigkeit ihrer Liebe; ihre makellosen Höhen führten die Unschuld dieser Figur vor Augen.

In einem Wirbel widersprechender Gefühle befindet sich die Gräfin in Mozarts „Hochzeit des Figaro“; dies zeigte in der berühmten Arie “Dove sono“ die 29jährige südkoreanische Sopranistin Irina Jae-Eun Park. Ihre große, dramatische Stimme mit leicht metallischem Kern konnte die innere Aufgewühltheit gut gestalten; allerdings fehlte ihr bei den langen Linien etwas die freie We4itung; dafür brillierte sie mit starken Höhen. Als Mimi in Puccinis „La Bohème“ prunkte sie sehr mit ihrem Stimmglanz; dabei ging das Anrührende dieser Person etwas verloren. 

Mit großer Bühnenwirksamkeit konnte die 24jährige Sopranistin Jerica Steklasa aus Slowenien aufwarten. Sie bewies dies gleich als Norina, kokett, charmant, sprühend vor Lebenslust in der Arie „Quel guardo il cavaliere“ aus Donizettis „Don Pasquale“ mit klarer, klangvoller Stimme, großen Steigerungsmöglichkeiten, bravourösen Höhen und lockeren Trillerkaskaden. Auch als Frau Fluth aus Nicolais „Die lustigen Weiber von Windsor“ konnte sie mit hinreißender Gestaltung und viel Frohsinn, wie es die Arie ja fordert, begeistern.

Die Sieger / Preisverleihung

Gespannt war man dann, nach einer fast schicksalhaft betonten Einleitung durch das Intermezzo aus Puccinis „Manon Lescaut“, wer wohl die Preise gewonnen hätte. Clarry Bartha macht vor der Verkündung der Preisträger gleich deutlich, dass eigentlich alle sechs, die auf dem Podium gespannt vor 

Erwartung standen, gesiegt hätten. Aber schließlich wurde doch klar, nach einigem Gerangel um die Blumensträuße, wer wohl die drei Trophäen, die künstlerisch wertvollen, geflügelten Viktoria-Statuetten in Gold, Silber und Bronze mit nach Hause nehmen durfte.

Den 1. Preis, die goldene Viktoria und damit ein Preisgeld von 10.000 Euro, erhielt, sicher auch zur Freude des Publikums, Jihyun Lee. Denn sie hatte in allem überzeugt, stimmlich wie auch durch sinnvolle Gestaltung und ihre Ausstrahlung.

Der 2. Preis, verbunden mit einem Preisgeld von 5.000 Euro, ging an den Tenor Seungju Bagh, über die bronzene Viktoria und eine Prämie von 2.500 Euro freute sich überschwänglich der strahlende Countertenor Jungkwon Jang. Der 4. bis 6. Preis waren jeweils mit 500 Euro dotiert; aber das Bekanntwerden und die Aufmerksamkeit durch die Teilnahme an der Gala ist mehr als Geld wert.  

Förderpreise wurden ebenfalls verteilt: Marie-Pierre Roy erhielt ein mit 1.000 Euro dotiertes Engagement von der Bronnbacher Stiftung für ein Konzert  in 2017 oder 2018. Die Gottlob-Frick-Gesellschaft bedachte zwei Künstler aus dem Halbfinale mit jeweils 1000 Euro, die polnische Mezzosopranistin Natalia Kawalek und den Bariton Alejandro Larraga Schleske aus Mexiko. 

Allen Teilnehmern ist eine viel beachtete Bühnenkarriere zu wünschen.

Bilder

Bild 1:

Siegerfoto DEBUT 2016: Jihyun Lee, Gewinnerin der Goldenen Viktoria 2016 (Mitte),  Seungju Bahg, Silberne Viktoria (links), und Jungkwon Jang, Bronzene Viktoria (rechts)


Bild 2:

Sie überzeugte Jury und Publikum: Jihyun Lee, Gewinnerin der Goldenen Viktoria 2016


Bild 3:

Durch das ausgezeichnete Philharmonische Orchester Würzburg unter seinem einfühlsam inspirierenden Chefdirigenten Enrico Calesso (rechts) zu Spitzenleistungen geradezu emporgetragen: die siegreiche Sopranistin Jihyun Lee (links) auf der Bühne der Wandelhalle Bad Mergentheim

Bild 4:

Prof. Dr. Dieter Spath, Vorstandsvorsitzender der WITTENSTEIN AG (links) im Gespräch mit Jan Hofer (rechts)


Bild 5:

Stimmungsvoller Austragungsort für das Finale des 8. Europäischen Gesangswettbewerbs DEBUT 2016: die Wandelhalle in Bad Mergentheim


Pressemitteilung